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Solid Edge: Versteckte Display-Konsole (Shift+Strg+1)
Was steckt dahinter?
Offizielle Shortcut-Listen kennen Shift+Strg+1 nicht. Trotzdem liegt in
Solid Edge eine kleine Konsole, die eher nach Entwickler- und QA-Werkzeug klingt als nach
Anwenderfeature. Wer den Shortcut kennt und help tippt, sieht das Innenleben
der 3D-Anzeige: Frame-Timing, Demo-Rotation, GPU-Report, Bounding Boxes und den
Scenegraph der Baugruppe.
Philosophisch ist das spannend: Solid Edge liefert hier einen „Dienstschlüssel“ mit – nicht beworben, aber auch nicht gesperrt. Für euch heißt das: bei Ruckeln, seltsamer Darstellung oder dem Wunsch zu verstehen, wie die Engine die Szene denkt, habt ihr ein Werkzeug ohne Extra-Software. Für den Alltag modellieren bringt es nichts – und das ist gut so.
Die Screenshots stammen aus Solid Edge 2026 (sequentielles Teil / Baugruppe). Ob der Shortcut in älteren Versionen identisch ist, kann abweichen – das Muster (versteckte Display-Tools) ist aber typisch für CAD-Grafik-Engines.
Aufruf: Shift+Strg+1 und help
- Solid Edge öffnen (Teil oder Baugruppe).
- Shift+Strg+1 drücken.
- Im kleinen grauen Feld
helpeintippen und Enter.
help.
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Darauf folgt die Befehlsliste COMMANDS [OPTIONS]. Die Hilfe ist auf Englisch – die Wirkung im Viewport ist trotzdem sofort greifbar.
Überblick der help-Befehle
Laut Hilfe (und eigenen Tests in SE 2026):
- ETA – Display-Timer einschalten
- PERFMON – Frame-Graph im Viewport
- DEMO / DEMON – aktive Ansicht rotieren bis Klick/Taste
- DAEMON / DEMEAUX – dauerhaftes Repaint (Stress-Test)
- PROBE – Dialog „Probe Info“ mit Render-/GPU-Daten
- ISPY – ISpy-Session für Memory-Leak-Tracking (klar Entwicklerwelt)
- DEBUG / ENABLE / DISABLE / TOGGLE mit Optionen RANGES, HILITE, SCENEGRAPH
Im Folgenden die Befehle, die im Praxis-Test klar und nützlich waren. Den Rest erwähnt die Hilfe – einzeln ausprobieren lohnt sich, wenn ihr Deep Dive betreibt.
PERFMON – Frame-Kurve live
PERFMON (erneut Shift+Strg+1, Befehl tippen, Enter) legt ein Overlay über den
Viewport: eine Hertz-Anzeige und eine grüne Kurve. Das ist Solid Edges eigener
Anzeige-Monitor – kein Windows-Perfmon.
hz = …/… und Verlauf der Anzeige-Last.
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Praktisch: Bei großen Baugruppen dreht oder zoomt ihr – und seht sofort, ob die
Display-Pipeline mithält. Die Kurve misst, wie oft die Ansicht neu gezeichnet wird,
nicht pauschal „CPU ausgelastet“. Zum Ausschalten denselben Weg erneut nutzen bzw. den
Overlay-Zustand wieder umschalten (je nach Session kann erneut PERFMON
reichen).
DEMO und DEMON – View-Rotation
DEMO startet eine Endlos-Rotation der aktiven Ansicht. Stopp per
Taste oder Mausklick. Ideal als Mini-Showroom – und als konstanter
View-Update, wenn ihr parallel PERFMON beobachten wollt.
Die Hilfe unterscheidet Rotate (DEMO) und Dynamically rotate (DEMON). Im Test in Solid Edge 2026 war kein sichtbarer Unterschied: Das Teil dreht sich jeweils um die eigene Achse, bis ihr abbricht. Vermutlich steckt „dynamically“ in der internen Redraw-Schleife – für den Anwender wirkt es gleich.
DAEMON / DEMEAUX drehen laut Hilfe nicht, sondern erzwingen
dauerhaftes Neuzeichnen – eher Stress-Test als Demo.
PROBE – Röntgenbericht der Grafik-Engine
PROBE öffnet den Dialog Probe Info: ein textueller Snapshot
von Render-Manager, Draw-Objekt, Vendor/GPU, Speicher und Module3d-Statistik.
Was ihr darin typischerweise findet:
- DrawType – z. B. OpenGL (Hardware Advanced)
- GPU + Treiber + OpenGL-Version – was Solid Edge wirklich sieht
- GPUInfo / VideoMem – Speicherbelegung
- Triangles / Objects / Frames – Komplexität der aktuellen Anzeige
- LOD / Culling – ob Vereinfachung greift
Kurz: PERFMON sagt „wie flüssig“, PROBE sagt „worauf die Engine läuft und wie schwer die Szene ist“. Beides zusammen ist stark bei Darstellungsproblemen – und hilfreich, wenn Support nach GPU/Treiber fragt.
debug ranges – Bounding Boxes sichtbar
Bloßes debug öffnet oft nur ein leeres Debug-Fenster. Die sinnvolle Variante:
debug ranges – dann erscheinen grüne Range Boxes um Bauteile
und Untergruppen.
debug: leeres Fenster – eher Stub als Nutzen.
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debug ranges: Bounding Boxes der Anzeige-Engine – nicht die echte Geometrie.
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Diese Quader sind vereinfachte Raumvolumen für Sichtbarkeit, Auswahl und Culling. Ihr seht plötzlich, wie Solid Edge die Baugruppe intern „denkt“ – z. B. ein langer Kasten um den Hebel, weitere Boxen um Körper und Flansche.
debug scenegraph – Instanz-Tabelle
debug scenegraph liefert eine Tabelle (Überschrift „Selection“) mit dem
grafischen Aufbau der Szene: Dateiname, Cache-Typ, Graphic-Adresse, Style/Farbe,
Faces/Triangles und Transform.
Besonders lehrreich: Wiederholte Teile (z. B. viele AllenScrewM8.par)
teilen sich dieselbe Graphic-Adresse – Geometrie einmal, viele Referenzen.
Das erklärt, warum große Baugruppen oft noch flüssig laufen, und warum PROBE trotzdem hohe
Triangle-Summen melden kann.
enable / debug hilite – HUD, aber unklarer Nutzen
Laut Hilfe soll HILITE „highlight range boxes“ zeigen. Im Test erschien
nach enable bzw. debug hilite eher ein
HUD-Text-Overlay im Viewport (Type=HUD) mit OpenGL-Kontext,
MSAA-Status, GPU und Speicher – näher an einem Display-Dump als an grünen Hilite-Boxen.
Für den Alltag reichen PERFMON, PROBE, ranges und scenegraph. Hilite/enable sind eher „weiter forschen“ – und im Artikel bewusst als unscharf dokumentiert.
Was diese Konsole nicht ist
- Kein Ersatz für normale Befehle, PathFinder oder Einstellungen
- Kein offizielles Support-Feature – undokumentiert, kann sich ändern
- Kein Modellier-Turbo – nur Anzeige und Diagnose
- ISPY und aggressive Debug-Overlays: eher Entwickler-/QA-Kontext; nicht dauerhaft im Produktivalltag lassen
Wenn ihr Overlays oder Boxen nicht mehr loswerdet: Konsole erneut öffnen und denselben
Befehl bzw. disable / toggle versuchen – oder Solid Edge neu
starten. Speichert vorher eure Arbeit.
Kurz-Checkliste
- Shift+Strg+1 →
help→ Enter - Performance prüfen:
PERFMON - View-Demo:
DEMO(Stopp per Taste) - Grafik-Report:
PROBE - Bounding Boxes:
debug ranges - Instanzen/Caches:
debug scenegraph